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Die Generationspyramide
Eine kleine Rede zu festlichem Anlaß
Sehr geehrter Herr
Bürgermeister!
Sehr verehrte Damen, sehr geehrte Herren!
Liebe Bürgerinnen und Bürger Neuenhagens!
Aus Anlaß der
Feierlichkeiten zum 775-jährigen Jubiläum Neuenhagens übergibt der
Bildhauer Wolfgang Anlauf heute hier und jetzt sein Geschenk an seine
Gemeinde: Es ist ein Kunstwerk für den öffentlichen Raum - die
Generations-Pyramide.
Noch ist sie verhüllt – ein wenig Spannung muß sein.
Ein kleine, aber wichtige Anmerkung vorab: Es handelt sich bei diesem
Kunstwerk um ein Geschenk des Bildhauers für seine Neuenhagener
Mitbürgerinnen und Mitbürger. Doch um dieses Geschenk herstellen,
aufstellen und heute übergeben zu können, hat es der Hilfe und
Mitwirkung vieler bedurft – das sei ausdrücklich herausgestellt. Aber
dazu wird sich Herr Anlauf dann noch selbst äußern.
Und noch eins: Ein Kunstwerk verschenken – ist das eine. Ein solches
Geschenk anzunehmen ist ein andres. Namens der Gemeinde Neuenhagen
haben der Bürgermeister und die gewählten Vertreter ihr Einverständnis
erklärt, die Vorbereitungen unterstützt, und schließlich mit Wolfgang
Anlauf die heutige Feierstunde vereinbart, um die Generationspyramide
in Besitz zu nehmen.
Ich bin autorisiert zu erklären, daß der Neuenhagener Bildhauer
Wolfgang Anlauf sich geehrt fühlt, daß er sich freut und glücklich
darüber ist, heute gemeinsam mit dem Bürgermeister seine, das heißt:
Ihre Generationspyramide zu enthüllen.
Zwar kann sich jedermann in einer Homepage im Internet über den
Bildhauer Anlauf und sein künstlerisches Schaffen relativ ausführlich
informieren. Es geziemt sich für diese Feierstunde jedoch, den
Künstler, der die Generationspyramide geschaffen hat, hier in einigen
wenigen Facetten kurz vorzustellen.
Wolfgang Anlauf wurde 1957 in Berlin geboren. Er erlernte den Beruf
eines Stukkateurs, um sich dann mehr und mehr der künstlerischen
Arbeit zu widmen; seit ca. dreißig Jahren ist Herr Anlauf als
freiberuflicher Bildhauer tätig. – Ich gebe jetzt nur einmal einige
Hinweise im Telegrammstil:
Nach Erlangung des Gesellenbriefs wirkt Wolfgang Anlauf mit bei
Restaurierungsarbeiten an den Fassaden und im Innern des Schlosses
Charlottenburg. Dann: Mitarbeit beim Pogramm „Bauornament“ seines
Vaters für den ent-dekorierten Altbau. 1978 ist er Stipendiat des
Europarates für einen Restauratorenkurs von drei Monaten am
„Europäischen Zentrum für Handwerker im Denkmalschutz“ in Venedig.
1980 baut er ein Haus in Schleswig-Holstein nach eigenen Entwürfen und
größtenteils in Eigenleistung. 1981 wirkt er mit am Kunstwettbewerb
des Vaters - Günter Anlauf - für vier Bären für die Moabiter
Bärenbrücke in Berlin.
1983 realisiert er eine Fassadengestaltung mit einem eigenen „Neuen
Bauornament“. In den danach Jahren folgen 12 weitere
Fassadengestaltungen in Berlin. 1984 übernimmt Wolfgang Anlauf die
Bauleitung für die Rekonstruktion des Stucks im Zuschauerraum und des
Proszeniums des Theaters des Westens. 1986 folgt der Umbau einer
Remise in Berlin-Charlottenburg zum Bildhaueratelier mit Krananlage,
nach eigenen Entwürfen und in Eigenleistung ausgeführt. 1990 arbeitet
er mit an dem Wettbewerbsauftrag seines Vaters für das Martin-Luther
Krankenhaus: vier 4 Meter hohe Natursteinsäulen, die vier Jahreszeiten
darstellend. 1990 errichtet er den Anbau eines Bildhauerateliers mit
Brückenanlage und im Boden versenkter Drehscheibe am Haus in
Schleswig-Holstein, auch dies wieder nach eigenen Entwürfen und in
Eigenleistung. 1992 stellt er für die Deutsche Oper Berlin zwei 7,50
Meter hohe vollplastische Engelreliefs aus Styropor für das Bühnenbild
der Oper „Don Carlos“ her.
1993 verläßt Wolfgang Anlauf Berlin-Wannsee. Er heiratet und läßt sich
in Neuenhagen nieder. Und gerade das ist in seiner Biografie so etwas
wie eine Kapriole des Lebens, weil zufällig und unvorhergesehen.
Neuenhagen ist für ihn zwar ein Zufall, ihm aber dennoch keineswegs
fremd: Seine Großeltern väterlicherseits waren Bürger Neuenhagens, und
sie haben hier ihre letzte Ruhe gefunden. Ihre Grabstätten finden sich
auf dem Neuenhagener Friedhof just an jener Straße, an der ihr Enkel
1994 nach seinen eigenen Entwürfen und mit einem übergroßen Anteil von
Eigenleistung ein Wohnhaus für seine Frau und sich errichtet. Sohn und
Tochter komplettierten schließlich die Familie Anlauf und bringen
kindlichen Sonnenschein in dieses neue Zuhause.
***
Inzwischen dürfte
die Kunst des Bildhauers Wolfgang Anlauf in Neuenhagen so unbekannt
nicht sein, denn ab 2002 kann man auch Fassadengestaltung von ihm hier
am Ort besichtigen.
2003 hat der Bildhauer dann zwei Modelle für die Gestaltung des
Schäferplatzes in Neuenhagen entworfen und die Fassaden an dem Gebäude
„Markt am Schäferplatz“ mit den Motiven Schäfer, Schaf und
Hund als Flachrelief gestaltet.
Last, not least aber
noch dies: Worauf in diesem Überblick nicht eingegangen werden kann,
das ist die selbstverständliche Tatsache, daß der Bildhauer Anlauf in
den 30 Jahren seiner künstlerischen Arbeit eine große Fülle
vielfältigster bildhauerische Kunstwerke geschaffen hat. Viele dieser
kleinen wie auch großräumigen bildhauerischen Werke sind in einer
ganzen Reihe von Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen zu sehen
gewesen und inzwischen auch in regionalen Ausstellungen: in
Neuenhagen, in Strausberg und in Müncheberg.
***
Aber nun kommen wir
wieder auf die Kunst im öffentlichen Raum zu sprechen, das heißt
speziell auf unsere Generationspyramide.
Die Idee der Generationspyramide hatte zunächst mit dem Markt am
Schäferplatz zu tun, denn der Entwurf und das Modell waren anfangs für
diese Stelle konzipiert. Da diese Idee dort nicht zu verwirklichen
war, sie den Bildhauer aber auch nicht wieder losließ, suchte er nach
einem anderen potentiellen Standort. Der war mit der kleinen
Parkanlage hier am Bahnhof auch rasch gefunden. Zu Wolfgang Anlaufs
Überlegungen, wie man solch ein Projekt wohl verwirklichen könnte, kam
die Mitteilung in der Zeitung zu der 775-Jahrfeier Neuenhagens im Jahr
2005. So kam der Bildhauer auf den Gedanken, Neuenhagen dieses
Kunstwerk zum Jubiläum zu schenken. Mit entsprechenden Unterlagen und
Fotomontagen des Modells an dem vorgesehenen Ort ging Herr Anlauf ab
Juni 2004 auf die Suche nach Spendern und Sponsoren, und gleichzeitig
machte er sich ernsthafte Gedanken zur praktischen Umsetzung seiner
Ideen und des Modells.
Er setzte nun das Modell bauzeichnerisch um und legte fest, die
Generationspyramide aus zwölf Betonfertigteilen aufzubauen. Es mußten
die Konstruktionszeichnungen für die einzelnen Gußformen angefertigt
werden, und aus Schalplatten und Gipsteilen wurden dann die Formen
gebaut und mit einer Baustahl-Armierung versehen.
Übrigens sei mir an dieser Stelle die Bemerkung erlaubt, dass Wolfgang
Anlauf die Formen derart präzise ausgearbeitet hat, daß an dem
fertigen Beton-Guß keinerlei Nacharbeiten mehr nötig waren. -
Für die zwölf Figuren – noch sehen Sie sie nicht, denn Spannung muß
sein! – für die zwölf Figuren also wurden 2,5 Kubikmeter mit
Farbpigmenten eingefärbter Spezialbeton vergossen. Auf einem Fundament
aus Beton wurden dann die Einzelteile von einem LKW mit Ladekran
aufgestellt und dann in der Mitte mit Beton vergossen. In die Köpfe
der obersten vier Figuren wurden Uhrenziffernblätter eingebaut, die
von einer Zentrale aus gesteuert werden.
Meine Damen und Herren! Die gesamte Planung, die Bauorganisation und
alle handwerklichen Leistungen hat der Bildhauer Wolfgang Anlauf
selbst ausgeführt. Er war hier Architekt, Konstrukteur, Tischler,
Stukkateur und Betonbauer - alles lag in einer, in seiner Hand.
Einschließlich Planung und Ausführung ergab sich für Wolfgang Anlauf
ein Zeitaufwand von einem guten halben Jahr. Auch das soll doch an
dieser Stelle einmal gesagt sein.
Gerade weil sie im Moment noch verhüllt ist, möchte ich abschließend
einige wenige Bemerkungen zur Generationspyramide selbst machen, indem
ich hier Wolfgang Anlaufs Grundidee preisgebe. Allerdings: Wenn dann
die Verhüllung gefallen sein wird, sind Sie eingeladen, sich selbst
ihr eignes Bild zu machen.
Der Mensch in Zeit, Raum und Richtung – das ist die Grundidee
des Bildhauers. Sein Kunstwerk stellt die Generationen dar, die wie
ein Stammbaum aufeinander folgen und aufeinander aufbauen. Eine
folgende Ebene baut auf der Ebene davor auf. Gesammelte Erfahrungen
werden weitergegeben und ermöglichen eine Weiterentwicklung. Jedes
einzelne Individuum entwickelt daraus seine ganz persönlichen
Vorstellungen und bestimmt damit die Richtung, in die es geht. Der
Mensch lebt nicht allein. Die Familie und die Gemeinschaft, in der wir
leben, sind die Grundlage einer erquicklichen Entwicklung. - Diese
Gedanken, so meint Wolfgang Anlauf, spiegeln sich in seinem Kunstwerk
„Die Generationspyramide” wider und werden von dem alles
bestimmenden Faktor „Zeit” in Form
von vier Uhren als „Köpfe“ der obersten Figuren
vervollständigt.
Diese Gedanken jedoch, meine Damen und Herren, liebe Bürgerinnen und
Bürger von Neuenhagen, sollen für Sie keine Vorgabe sein, bestenfalls
ein Denkanstoß. Man soll ja auch einen Künstler möglichst nicht so
direkt danach fragen, was er mit seinem Kunstwerk hat aussagen wollen.
Er würde wahrscheinlich antworten: Schauen Sie sich mein Kunstwerk an,
dann sehen Sie, was ich habe aussagen wollen.
Nein: Indem Ihnen die Generationspyramide mit dem symbolischen Akt der
Enthüllung als Geschenk an die Gemeinde übergeben wird, sind sie nicht
nur aufgefordert, dieses Kunstwerk gegenständlich in Besitz zu nehmen.
Der Bildhauer Wolfgang Anlauf wünscht sich von Herzen, daß Sie sein
Kunstwerk vor allem auch zu ihrem geistigen Besitz machen können.
Wir wünschen Ihnen,
daß die Generationspyramide hier am Neuenhagener S-Bahnhof die Neugier
der Leute zu wecken vermag, daß sie zu kurzem oder auch zu längerem
Verweilen und Betrachten einlädt, daß sie gar dazu anregt, sich seine
eigenen Gedanken über das Kunstwerk zu machen, über das Zusammenleben
und –wirken der Generationen nach 775 Jahren lebendiger
Ortsgeschichte. Wir wünschen aber auch, daß die Generationspyramide
hier am Bahnhof, an öffentlichem Ort schließlich Alltag wird:
ein gegenständlich schöner Bestandteil der öffentlichen Raumes und des
Alltags im Leben der Gemeinde Neuenhagen, den seine Bürgerinnen und
Bürger nicht mehr missen möchten. Das wäre wohl die größte Freude für
den Bildhauer Wolfgang Anlauf.
Glückwunsch, Herr
Bürgermeister! Glückwunsch, Neuenhagener Bürgerinnen und Bürger!
Glückwunsch zum 775-jährigen Jubiläum Ihrer Gemeinde und
Glückwunsch zu Ihrer Generationspyramide.
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